Ein Trilobit aus dem Erdaltertum

Inn der Nähe von Idar-Oberstein gibt es viele Schiefergruben, eine davon ist zu einem Besucherstollen ausgebout. Ich mag Schiefer sehr gerne. Als Kinder haben wir mit einem kleinen Stück immer auf ein großes Stück gemalt. Wir kannten in der ersten Klasse ja auch noch eine Tafel aus Schiefer. Schiefer ist veresteinerter Urschlamm und in den Schichten findet ma mit etwas Glück Versteinerungen von Meeresbewohnern. Denn damals war alles hie runter Wasser. Es war also einfach 'dran', dass sich auch ein solches Wesen bei mir meldet. Wir schrieben das Jahr 2005.

Mein erster Trilobit

 

 Er war sozusagen mein Traum-Lichtfilzling. Denn einige Jahre zuvor träumte ich, ich sei in Australien und wanderte einen herrlich sauberen, feinen, hellen Sandstrand entlang. In Wirklichkeit hatte ich Australien nie besucht, wäre da aber schon mal gerne hin, wie ich überhaupt noch mal gerne mehr von der Welt sehen wollte. Vor mir lag nur Sand und daneben das azurblaue Meer, darüber ein ebensolcher Himmel, einfach traumhaft! Plötzlich sah ich vor mir einen kleinen, leuchtend blauen Gegenstand liegen, vielleicht zehn Zentimeter lang. Als ich näher kam, erkannte ich einen himmelblauen Trilobiten, was mich sehr erstaunte. Ich nahm ihn vorsichtig hoch – denn er lebte! Und ich sagte zu ihm: „Aber du bist doch schon längst ausgestorben! Was tust du hier? Und außerdem bist du so wunderschön blau. Ich kenne dich nur ganz grau aus den Versteinerungen im Schiefer.“ Dann wachte ich auf. Ich kannte die Trilobiten aus dem Schiefer tatsächlich sehr gut, denn die wurden in meiner Heimat ja in so manchen Schieferplatten gefunden.

 

Wie immer hatte ich den Traum ganz vergessen. Erst als ich die Idee hatte, einen Trilobiten zu filzen, erinnerte ich mich auch wieder an den Traum. Er entstand zwar als mein Traum-Lichtfilzling, war aber vielleicht auch eine Anspielung darauf, dass ich meine Sehnsucht nach dem Traumpartner nicht ganz so ernst nehmen sollte. Oder wollte er gar darauf aufmerksam machen, ich sollte mit der Träumerei besser ganz aufhören? Dieser Trilobit war jedenfalls der erste Lichtfilzling, der wirklich zu mir wollte und ganz lange bei mir blieb. Das machte ihn schon zu etwas ganz Besonderem, denn die anderen Lichtfilzlinge wollten ja am liebsten schnell weiter.

Er sagte, er heiße Tilo Trilobit und ich liebte ihn vom ersten Augenblick. Mittlerweile redete ich ganz selbstverständlich mit all meinen Lichtfilzlingen und die antworteten mir dann umgehend in meinem Kopf. Ich modellierte Tilo in rohweißer Aufbauwolle vor. Er war flach gehalten, fast 30 cm lang und 20 cm breit. Er bekam der Länge nach eine Dreiteilung und neben einer dicken Knubbelnase ein paar Kiemen an der Seite. Ich überzog ihn azurblau mit Nassfilzwolle und strich und rubbelte ihn hingebungsvoll in Form. Und wegen der Farbe kam mir dann der Traum in die Erinnerung zurück. Schon beim Nassfilzen merkte ich, dass der Trilobit es besonders gerne mochte, wenn ich ihm durch die Rillen strich oder hinter den Kiemen kraulte. Als er trocken war, ging ich mit einem dunkelblauen Woll-Seidengemisch noch einmal über alle Rillen und er bekam auch noch viele Querrillen dazu, so dass er ein wenig wie ein Waschbrett wirkte – und sich auch so anfühlte. Von vorne sah sein Gesicht dem schmunzelnden Obelix aus dem Asterix-Comic ähnlich. Ach ja, und er erhielt noch zwei ganz lange blauseidige Fühler.

 

Tilo war gerade fertig geworden, als ich mich für eine Fahrt nach Assisi in Italien rüstete, zusammen mit etlichen anderen aus meiner spirituellen Gruppe. Ein großartiger Lehrer aus Südafrika hatte an die Wirkungsstätte des heiligen Franz von Assisi zu einem Seminar eingeladen, na ja, eingeladen hatte eigentlich Regina, und die war auch selbst mit dabei. Das alles klang sehr vielversprechend. So wunderte es mich nicht, dass Tilo mitkommen wollte und willigte ein. "Assisi, wir kommen!" hörte ich den Trilobiten in mir begeistert rufen, als ich mich mit dem gepackten Koffer in Richtung Wohnungstür aufmachte. Und von meiner Tochter wurde ich mit den Worten verabschiedet:

„Mama, muss ich mir jetzt Sorgen machen, weil du dich mit einer prähistorischen Küchenschabe unterhältst?“

Aber sie meinte das augenzwinkernd, sie kannte mich schließlich schon lange. Sie war selbst sehr normal, tolerierte aber die esoterischen Trips ihrer Mutter einfach als Marotte. Auf der Fahrt sorgte Tilo dann vor allem für viel mehr Bequemlichkeit, denn er hielt so gerne mein Kinn. Und abends nach dem Seminar half er mir, die Energien auszugleichen. Dann setzte ich mich noch mit ihm hin und sinnierte in die Abendsonne und schaute auf dem kleinen Balkon über die Stadt, bis ich Bettruhe fand. Und weil er mein erster eigener Lichtfilzling war, bat ich ihn natürlich auch um einen Beitrag für die neue Webseite, denn mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, dass meine Lieblinge gerne mehr beteiligt wurden, auch wenn ich das nicht ganz verstand und mich wunderte, woher das kam. Aber ich verstand ja immer so vieles noch nicht.

 

 

Und Tilo Trilobit erzählte... Er käme aus dem Erdaltertum. Die Trilobiten seien dort die Leitfossilien für menschliche Wissenschaftler. Wenn diese im Gestein einen Trilobiten fanden, wussten sie: Aha, Erdaltertum. Und am Ende des Erdaltertums gab es eine Umweltkatastrophe, und da waren ausnahmslos alle Trilobiten gegangen. Ausgestorben sagten die Menschen dazu. Fertig mit ihrer Evolution, so sahen das die Trilobiten selbst. Trotzdem oder gerade deshalb waren sie bei Fossiliensuchern immer sehr beliebt. Die Fachleute sprachen auch von der kambrischen Explosion der Artenvielfalt. Und davon wollte er Era mehr berichten. Wie sie sicher wisse, hätte das Leben in seiner Evolution die Tendenz, sich durch Spezialisierung, Zusammenarbeit und Selbstregulation zu einem immer höheren Organismus auch mit einem jeweils höherem Bewusstsein zu organisieren. Das müsse er voraus schicken, damit sie seine Erzählung besser verstehe. Dem Kambrium vorausgegangen war eine Zeit, in der sich schon einzelne Zellen entwickelt hatten, es gab bereits Bakterien, Pilze und Algen. Und wenn man sich anschaute, wie eine Zelle aufgebaut war, so war das alleine schon erstaunlich: So viele spezialisierte Bausteine, man denke an die spiralförmige Doppelhelix der DNS, in der alle Informationen über die Bausteine der Zelle, ihr Zusammenwirken und ihre Vervielfältigung gespeichert waren, oder die Mitochondrien, das waren regelrechte Kraftwerke!

 

"Wusstest du," fragte Tilo mich, "dass noch heute in jeder Zelle das Urwasser des damaligen Meeres in genau seiner chemischen Zusammensetzung eingeschlossen ist? Zumindest ist es „nachempfunden“, stell dir vor!" Und Tilo fuhr fort.. "Nun ja, vor dem Kambrium gingen die Zellen und ihr Bewusstsein davon aus, dass jede einzelne von ihnen frei sein sollte, selbst bestimmen und alles kontrollieren, und das war ja auch gut so. Sie hatten andererseits aber auch oft Angst, zum Beispiel auch davor, sich mit anderen zusammen zu tun, gleichzeitig sehnten sie sich aber irgendwie nach dieser Nähe. Sie vermehrten sich durch Zellteilung, also durch Klonen und sie waren so eigentlich (fast) unsterblich. Solche Klongesellschaften schlossen sich höchstens mal zu Kolonien zusammen oder bewohnten denselben Stein. Sie blieben meist sehr argwöhnisch und hielten andere Zellen, vor allem die fremden, für faul, dumm, weniger entwickelt, wenn nicht gar gefährlich – denn schon damals gab es die bekannten Fresszellen, und man wusste nicht, ob es sich bei der Nachbarzelle nicht doch um so ein gefährliches Individuum handelte, denn die konnten ihr Aussehen verändern. Und naive, vertrauensselige Artgenossen waren ihnen auch schon oft zum Opfer gefallen. Später taten die gleichen Fresszellen in Menschen und Tieren einen guten Job und fraßen alle Viren und Bakterien, die in den Körper eindrangen, lange bevor diese sich dort vermehren konnten, sie bildeten nun sozusagen die Polizei im Staat geworden und schützten ihn. Alle Zellen hinderten sich aber damals mit ihrem Argwohn und ihrer Angst auch gegenseitig am Wachstum und an der Fülle und verstrickten sich immer mehr in sonderbare Erfahrungen. Trotzdem hatte das evolutionär auch eine Weile gut funktioniert."

 

Und Tilo wurde nun richtig munter, ja enthusiastisch, als er weiter erzählte: "Ha! Aber dann kamen wir! Man vermutet, dass wir die ersten echten Tiere waren! Vor allem im Kambrium, in der Mitte des Erdaltertums, bevölkerten wir zu Billionen die Meere, auf dem Land war da noch tote Hose. Es gab 15 000 verschiedene Arten von Trilobiten, sie wurden bis zu 75 cm groß und waren ganz bunt. Da staunst du, was? Und wie konnte es zu dieser Artenexplosion im Kambrium kommen? Na?" fragte er Era. Aber es handelte sich nur um eine rhetorische Frage, denn er fuhr gleich fort: "Nun, einzelne Zellen entdeckten, dass es bei der Zusammenarbeit als Zellverband einen Trick gab, der alle Ängste heilte und Vertrauen schuf, das Richtige gemeinsam zu tun. Dieser Trick brachte plötzlich und unerwartet alle einzelnen Zellen zueinander in Harmonie, so dass sie ideal zusammen arbeiten und zusammen leben konnten. Und was war der Trick?" Das war seine nächste rhetorische Frage, und während ich bei der ersten noch tatsächlich zu einer Antwort ansetzte, fiel ich dieses Mal nicht darauf herein und wartete geduldig darauf, dass Tilo weiter erzählte.

 

 

"Nun, unsere Zellen hatten ihren Fokus auf das Leben selbst gerichtet, auf das Große Eine, das allem zu Grunde liegt. Sie waren erst einmal dankbar und haben dann erspürt, was das Leben selbst durch sie als nächstes erfahren möchte und von da an bei ihrem Handeln immer dieses höhere Bewusstsein mit einbezogen. Und rate mal, was dann passierte. Dieses höhere Bewusstsein wurde aus dem Bewusstsein all dieser Zellen zusammen gebildet, das Tier war entstanden. Wir haben es erfunden! Das Bewusstsein des Tieres erkannte sich natürlich noch nicht selbst, so wie ihr es als Menschen gewöhnt seid, aber es funktionierte schon als ein Ganzes. Die Selbsterkenntnis blieb dem Menschen vorbehalten, der nächsten evolutionären Stufe. Es gab mich also als einen Organismus, den Trilobiten, aber ich bestand auch aus Billionen einzelner Zellen, die sich durch gemeinsame Einstimmung auf das Große Eine optimal organisiert und versorgt hatten – und sie lebten glücklich und viel sicherer dabei, als jeder für sich alleine. Die nächste Stufe der Evolution war erreicht. Und es konnte auch schon etwas mehr an guten Gefühlen erzeugt werden: Wir erfanden nämlich auch den Sex! Und das Große Eine lehnte sich zurück und war zufrieden. Mit uns war es schon ein wenig deutlicher in seiner Schöpfung aufgewacht."

 

Ich dachte lange nach über das, was mein Freund Tilo mir da erzählt hatte. Ich konnte die Entwicklung der Arten und die Entwicklung des Bewusstseins nachvollziehen, so wie er es ihr erklärte. In einem spirituellen Buch hatte ich gefunden: "Gott erdet sich in den Bergen, träumt in den Pflanzen, fühlt in den Tieren und denkt und erschafft durch die Menschen." Und in einer meiner Lieblingstheorien stellte ich mir die Erde selbst als einen einzigen Organismus vor, der sich gerade mit den Menschen als seinen Hirnzellen zu der nächst höheren Bewusstseinsstufe entwickelt, dabei spielte das Internet als Vernetzung der "Hirnzellen" eine wichtige Rolle. Der Kreislauf des Wassers auf der Erde war dem zirkulierenden Blutkreislauf doch sehr ähnlich, und alle Arten von Lebewesen hatten sich wie Organe auf bestimmte Aufgaben spezialisiert, und alles auf der Erde lebte direkt oder indirekt von Sonnenlicht. Meiner Meinung nach entstand möglicherweise gerade ein Riesen-Organismus namens Erde, der einen ganzen Planeten umspannte, und der zu einem eigenen geeinten Bewusstsein erwachen würde. Und wer weiß, vielleicht wäre er irgendwann einmal in der Lage, sich durch Zellteilung (Alte und Neue Erde) zu vermehren und mit einem Teil seiner planetaren Substanz durch das Universum zu reisen. Und weil es ein so großer und mächtiger Organismus wäre, könnte er sich bestimmt in einem beliebigen Sonnensystem Substanz aus planetaren Nebeln in die ideale Umlaufbahn eines Fixsterns ziehen, um dort erneut zu wachsen und sich zu teilen. Eine hoch bewusste Lebensform 'Gaia', die das Universum besiedelte! Whow, diese Idee hatte was! Ich mochte diese Theorie, dochsie stammte ausnahmsweise mal nicht von mir sondern von einem Buchautor, ich glaube, der hieß Ken Carey. Und so wenig, wie eine einzelne meiner Körperzellen wahrscheinlich davon mitbekam, was ich selbst so dachte und tat, wussten wir Menschen von dem Bewusstseinszustand von Gaia und was sie gerade so plante. Die müsste dann doch noch viel, viel bewusster sein als ein Mensch! Der Unterschied war bestimmt so groß wie zwischen mir und einer meiner Hirnzellen. Aber was wusste ich schon, wie bewusst eine meiner Hirnzellen in echt war. Dachte und fühlte die Erde als eigenständiges Wesen? Wurde sie sich gerade bewusst, dass sie genau sie selbst war?

Und dann: Wenn sich in einem Menschenkörper eine Zelle nicht nach dem größeren Ganzen ausrichtete, sondern wild drauf los wucherte, dann nannten die Menschen das eine Krebszelle und gingen sofort drana, sie zu medizinisch zu behandeln (zu killen). Ging es also darum, dass die Menschen als planetare Zellen lernten, sich nicht wie Krebszellen zu benehmen – in dem sie in Einklang mit Gaia und in Harmonie mit dem größeren Ganzen (Allem-Was-Ist) dachten, fühlten, handelten und lebten? Sonst hätte die Erde selbst als dieser lebendige Superorganismus nur die Wahl, entweder selbst zu sterben oder diese Krebszellen zu killen? Und ist diese Krebskrankheit nicht sogar typisch für eine Menschheit, die völlig aus der Harmonie der Erde gefallen ist?

Solche Gedanken und andere hatte mein Trilobit Tilo in mir ausgelöst.

 

 

Das Trilobiten Design machte mir dann so viel Freude, dass ich daraus warme und nässedichte Sitzplatten für unterwegs, Schlüsselanhänger und Handyhüllen entwickelte.

Trilobiten kaufen im Shop: Link

Trilobiten Design