Die Lichtfilz-Scheune

 

In jener Zeit, als ich noch unbedarft und unkompliziert in den scheinbaren Fantasie-Dimensionen herumspazierte (die, wie ich jetzt weiß, ebenso real waren), hatte ich die Idee, meine Lichtfilzlinge in deren Dimension zu besuchen und sie selbst zu fragen, wer sie seien und woher sie kämen. Es wurde doch einfach mal Zeit, wenn meine Lieben sogar schon an eine Gewerkschaftsgründung dachten! In einer anderen Dimension hatte ich mir in meiner Fantasie ein kleines Haus gebaut mit einer Wildwest-Veranda und einer Schaukelbank an Ketten. Dort saß ich oft in meinen Tagträumereien, schaute übers Tal und sinnierte. Neben dem Haus stand eine große Scheune, die war dicht angefüllt mit potentiellen Lichtfilzlingen. Hier war ihr Genpool, hier warteten sie auf ihr Gefilztwerden. Diesmal beschloss ich, meine Lichtfilzlinge in ihrer Scheune zu besuchen. Ich schlich mich vorsichtig durch die Hintertür hinein, denn die Vordertür wollte ich immer nur einen Spalt öffnen und „Der Nächste, bitte!“ rufen. Das hatte ich mir einfallen lassen, weil ich sonst von dem energetischen Durcheinander und den vielen Stimmen im Kopf so überfordert wurde, wenn da alle auf einmal herauspurzeln und gleichzeitig gemacht werden wollten, das brachte mich nämlich vollkommen durcheinander. Wie sonst sollte ich alle diese Eindrücke bewältigen und dabei noch einen klaren Kopf und eine liebevolle Ausrichtung auf das Große Eine behalten? Ich brauchte eine gewisse Ordnung, egal in welcher Dimension.

 

Alle Lichtfilzlinge schauten gebannt auf die Vordertür. Sie wartetetn wohl brav, dass ich den Nächsten aufrufen würden. Ich wurde erst bemerkt, als die Tür sich bereits geschlossen hat. Ein Knacksen unter meinen Füßen ließ alle aufschrecken, aber dann kamen sie begeistert angerannt. Ich schaute mich suchend um nach dem Sprecher der Lichtfilzlinge, einer ehrwürdigen weisen Eule namens Sokrates, und die kam auch gerade angeflogen und setzte sich vor mir auf einen Balken. Sokrates war die erste Schneeeule und hatte gerade die Gewerkschaftsgründung vorantreiben wollen, daher wandte ich mich an ihn.

„Sokrates, erzähl mir mehr über euch Lichtfilzlinge!“ sagte ich zu ihm. "Ich will es jetzt wissen. Wer seid ihr, woher kommt ihr und überhaupt?" Sokrates räusperte sich, schaute in großer Liebe von einem Lichtfilzling zum anderen und dreht dabei den Kopf langsam einmal ganz um die eigene Achse. Als er wieder nach vorne schaut, begann er zu reden. „Wir sind Lichtfilzlinge. Wir kommen aus einer anderen Dimension, die du in deinen Träumen und Fantasien bereisen kannst. Diese Scheune hier ist für uns ein Tor, eine große Wartehalle sozusagen für die Geburt in deine Welt. Und wenn du eine Puppe machst, die so aussieht wie einer von uns, können wir durch die Puppe deine Welt besuchen oder sogar dort bleiben. Ohne Puppe würden wir sofort wieder in unsere Dimension zurück gezogen wie durch einen Staubsaugerschlauch.“ Alle lachten bei dieser Vorstellung. Era lachte mit. Offensichtlich hatte sich dieses Menschending namens „Staubsauger“ hier schon rumgesprochen. Und Sokrates fuhr fort:

 

"Wir lieben euch sehr und kennen viele von euch aus anderen Dimensionen, in denen ihr auch existiert. Und wir möchten euch helfen, euch zur Seite stehen, ein guter Freund sein, mit euch reden, ja auch Spaß haben. Vor allem aber möchten wir euch dienen, eure eigene Kraft und Liebe vollständig zu entdecken und zu leben und ein höheres Bewusstsein zu verkörpern. Wir sind Spezialisten darin, unseren Menschenfreund mit seiner Seele und dem Großen Einen zu verbinden und ihn mehr bei sich selbst ankommen zu lassen. In unserer Welt gibt es auch eine Erde. Sie ist größer und sieht anders aus. Ihr würdet sie nicht wiedererkennen. Und bei uns gibt es etwas, von dem ihr Menschen schon lange träumt: Frieden. Alle Wesen leben hier in EINtracht miteinander, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie trachten nach dem EINEN, das ALLES ist, weil sie sich selbst und alles andere als Facetten eines großen Diamanten ansehen, dem Großen Einen. Das Große Eine drückt sich in vielen Dimensionen aus, um sich selbst zu erfahren. Und da wir alle wissen, dass wir in diesem Diamanten EINS sind, glauben wir, dass es uns nur gut gehen kann, wenn es ALLEN gut geht. Deshalb suchen wir nach immer besseren Wegen, in EINklang mit dem Großen Einen zu leben und das, was wir sind, noch mehr zu SEIN.“

 

Sokrates nahm einen tiefen Atemzug und diese Pause nutzte eine kleine Regenbogenente und fuhr fort: „Als wir davon erfuhren, dass die Menschen und all die anderen Wesen hier noch in Angst und Schrecken leben und Krankheit und Krieg zu ihrer Erfahrung gehört, haben wir uns spontan freiwillig gemeldet, um euch beim Übergang zu helfen. Denn das Große Eine hat beschlossen, seinem Experiment "Dualität" nicht mehr weiter nur zuzusehen. Es hat sich der Erde und ihren Lebewesen in großer Liebe zugewandt und seitdem strömt viel mehr Schöpferliebe auf diesen Planeten als jemals zuvor. Ihr müsst wissen, die Erde selbst ist auch ein lebendiges Wesen und sie ertrug in Stille all ihre Erfahrungen, um es ihren Kindern, den Menschenseelen zu ermöglichen, bewusst zu werden. Das Große Eine war so gerührt von der Hingabe von Gaia, dass es entschied, das Experiment von Gut und Böse langsam und vorsichtig zu beenden.“

 

Da drängte sich eine rundliche und gutmütige ältere Frau nach vorne, die mir liebevoll in die Augen schaute. „Lass mich doch selbst reden,“ sagte Gaia. „Es ist wichtig für meine Menschenkinder, zu wissen, dass ich ihnen nichts vorwerfe oder nachtrage, denn ich lebe nicht hinter mich in Vergangenem oder vor mich in Zukünftigem sondern immer im JETZT“. Sie schmunzelte. Offensichtlich gefiel ihr das Wortspiel mit Vorwerfen und Nachtragen. Und dann wurde sie wieder ernst. „Es ist wichtig, zu wissen, dass ich allen meinen Kindern vergebe und dass es kein Gut und Böse und keine Schuld gibt, da wo wir jetzt gemeinsam hingehen, ins Land des Friedens. Nur leichte Herzen können mitkommen und ich möchte euch alle dabei haben. Das Große Eine hat mir versprochen, dass jeder von euch, der in die Dimension der Freude mitkommen will, auch mit dabei sein wird. Es braucht nur seine Entscheidung, sein JA dazu und seinen guten Willen, mehr nicht. Dann lässt seine Seele ihm Zufälle vor die Füße purzeln."

 

"Er wird bald spüren, dass er immer schon Zugang zu einer inneren Führung hatte und dass er sich da selbst führt, ein Aspekt von ihm selbst zumindest aus einer anderen Dimension, zusammen mit dem Ganzen, dem vollkommenen Plan“, sagte eine kleine Ente, die nun auch weiter sprach. „Und wenn er gemerkt hat, wie gut sich das anfühlt, wird er mehr davon hier "verkörpern" wollen und mit seiner Seele noch mehr zusammenarbeiten. Wir Regenbogenenten sind Experten bei dieser Seeleneinbettung. Wir unterstützen vor allem Menschen, die sich beginnen zu erinnern, wie leicht es ihnen fällt, dies anderen Menschen vorzuleben. Denen helfen wir, ihr So-Sein in diese Welt zu bringen und zu erden.“ Und ein kleiner Delfin fügte eifrig hinzu: „Wir nehmen vor allem mit den Kindern Kontakt auf, die sich noch nicht in dem Spiel von Gut und Böse verfangen haben! Wir möchten sie ganz, ganz arg darin unterstützen, ihr Wissen von EINtracht und EINklang zu leben! Vor allem die Regenbogenkinder und Kristallkinder haben dieses Wissen und verstehen nicht, was sie da zum Beispiel in ihrer Schule für ein Zeugs lernen sollen! Unser Erkennungszeichen ist, dass sie den Regenbogen und die Edelsteine lieben.“

 

Ein Känguru meldete sich. Era kannte es damals noch nicht. „Ja und dann fangen unsere Menschenfreunde an, große Sprünge zu machen, worüber sie selbst erst einmal erstaunt sind. Ach so geht das, denken sie. Dann wieder einen Sprung. Oh, das geht auch. Und das auch. Und bald hüpfen sie den schweren und vernünftigen Menschen ihrer Umgebung einfach davon. Was für ein Spaß! Ich muss das ja wissen. Wir geben ihnen zusätzliche Tipps, wie sie auch noch ihren Beutel füllen können, denn das vergessen sie oft, es interessiert sie meist so wenig.“ Aus dem Hintergrund war ein Räuspern zu hören. Alle drehten sich um und schauten erwartungsvoll das weiße Einhorn an. Es sagte: „Wenn von EINtracht und EINklang die Rede ist, darf ich, das EINhorn, doch auch etwas beitragen. Man hat mich in die Welt der Märchen und Träume verbannt, deshalb glauben die meisten Menschen nicht mehr daran, dass es eine Welt des Friedens, der Freude und der Liebe gibt. Sie haben in ihrer Enttäuschung und ihrem Leid irgendwann aufgegeben, daran zu glauben. Also, um das klarzustellen: Es gibt mich wirklich! Und ich komme zu den Menschen als Herzöffner. Wenn sie aufhören, alles besser zu wissen, den anderen die Schuld zu geben und überall schreckliche Dinge zu sehen, zu denken und zu fühlen, wird dieses Spiel vorbei sein. Dann wird ein neues Spiel gespielt. So einfach ist das. Alle Welten und Dimensionen entstehen durch Gedanken und Gefühle Gottes.“

 

Nein, so darfst du das nicht erklären!“ ging eine dicke und gemütlich dreinschauende Raupe nun dazwischen. „Sonst glauben die Menschen, dass Gott sich all dieses Böse und dieses Leid und diese Krankheiten ausgedacht hat! Und machen ihn dafür verantwortlich. Und legen selbst die Hände in den Schoß, weil sie sich ganz klein und machtlos fühlen.“ „Oh ja, danke,“ fuhr das Einhorn fort. „Nein, nein, so ist das nicht! Jeder Mensch ist eine Facette Gottes, die vom Großen Einen seinen freien Willen erhalten hat, sich selbst als Schöpfer dieser Welt auszuprobieren. Das hier ist sozusagen die Spielwiese für Bewusstsein oder das Trainingscamp für zukünftige Mit-Schöpfer. Für junge Götter, die gleichzeitig erschaffen und sich in der eigenen Schöpfung erfahren.“ „Lass mich mal,“ sagte ISIS, „da ihr von Göttern redet, ist es wohl an mir, weiterzusprechen. Ich bin die weibliche Facette des großen Einen, so wie Gott die männliche Facette ist, und wir sind die Eltern aller Geschöpfe hier. Wir lieben euch und wenn ihr euch mit uns verbindet, führen wir euch sicher auf die Neue Erde.“

 

Auf unsere hier?“ fragte neugierig ein kleiner Kobold. „Ja, mein Lieber, sagte sie ganz sanft und liebevoll. „In dieser Zeit ist es wichtig, dass die Menschen sich wieder an ihren weiblichen Anteil erinnern und ihn als vollständig geheilt und ganz annehmen. Dem Weiblichen ist nie etwas passiert, eure Geschichtsschreibung und Er-innerung war aus unserer Perspektive nur ein Albtraum. Dann werden sie die Kraft, die Liebe und das Bewusstsein finden, um die Welt von Gut und Böse hinter sich zu lassen und in eine Welt der EINheit zu verwandeln.“ Sokrates macht jetzt weiter. „Ich sollte das etwas näher erklären: Mit jedem Gedanken, den ihr denkt und mit jedem Gefühl, das ihr fühlt, entsteht in der Dimension des Erschaffens eine Gedanken- oder Gefühlsform. Wenn genug Menschen das denken oder fühlen, hat diese Form soviel Schöpferkraft, dass sie sich umsetzen muss. Wenn also ganz viele Menschen an Krieg denken oder sich um Kriege Sorgen machen, wird diese Form so mächtig, dass es Krieg geben muss. Für einen einzelnen Menschen ist das nicht so einfach zu entdecken, denn alle zusammen erst erschaffen alles, was auf dem Planeten passiert.“

 

Eine Drachendame bahnte sich jetzt den Weg zu mir nach hinten. „Lass mich weiter machen, Sokrates! Ich will über Filme, Bücher, Radio und Fernsehen reden. Wann immer ihr mit-leidet und euch mit-freut, mit-denkt und in dem Film oder dem Buch vollständig verschwindet, erschafft ihr das alles als Gedankenform erneut oder verstärkt es auf der Schöpfungsebene mit eurer eigenen Lebenskraft, die ihr währenddessen da hinein gebt. Denkt einmal nach, was da zum Beispiel eure Nachrichten tun!“ Sie pustete geräuschvoll Dampf aus ihrer Nase. „Wollt ihr wirklich noch mehr davon? Manchmal kann ich es nicht fassen, welche Bücher und Filme ihr verschlingt! Wollt ihr das denn wirklich real immer und immer wieder erleben?“ „Du sagst das so vorwurfsvoll!“ zischelte eine Schlange. „Sie wissen es doch nicht besser! Und mit diesen Filmen und Büchern fühlen sie sich ein Stück weit lebendiger. Fast so, als wären sie schon mehr mit ihrer Seele vereint. Siehst du denn nicht, wie sehr sie sich nach Liebe, Nähe, Verständnis und Geborgenheit, aber auch nach spannendem echten Erleben, Bewährungsproben und aufregenden Abenteuern sehnen? Mit den Filmen und Büchern, ihr wisst schon welchen, können sie für eine Weile diese für sie so schreckliche und oft auch ganz langweilige Welt hinter sich lassen. Ich würde das auch wollen.“

 

Ein kleines Sternenkind meldete sich zu Wort. „Das ist alles viel zu kompliziert. Genug für heute. Denn wenn unsere Era (das ist mein spiritueller Name, sozusagen meine Energiesignatur) uns wieder verlässt, sollte sie vor allem unsere Liebe mitnehmen und die Gewissheit, dass alles gut wird und wir euch alle nach besten Kräften unterstützen. Nimm ganz viel Vertrauen mit in deine Welt, und erinnere dich immer wieder, dass das Große Eine selbst auf die Spielwiese zurückgekommen ist, um seine Kinder in das Land der Freude und des Friedens zurückzuholen. Juchhu! sage ich da nur. Und wir alle wollen helfen!“ Freudig erregt hüpfte das Sternenkind dabei von einem Bein aufs andere.

Es war auch schon spät geworden und ich verabschiedete mich dankend. Dann saß ich noch lange ganz in Gedanken versunken auf der Schaukelbank; und während ich mein Kinn auf Tilos Nase stützte und meine weiße aufgestiegene Ente Susira im Arm hielt, schaukelte ich leicht vor und zurück und dachte über das nach, was ich gehört und gesehen hatte. Und sinnierte darüber, während eine der beiden Sonnen drüben hinter den Bergen auf dieser anderen Erde feuerrot unterging.