Killer-Enten aus Lichtfilz


Blogbeitrag: Sonntag, 23. Januar 2011

 

Die Killer-Ente

Heute verging der Tag mit der Entwicklung meiner Lichtfilz-Produkt-Serie

"Duck Protection".

 

 

 

 

Es handelt sich dabei um ganz kleine Killer-Enten für die Handtasche zum Schutz vor gewalttätigen Übergriffen. Diese Produktentwicklung geht auf eine Episode zurück, die ich mit meiner großen gelben Ente (Bildmitte) 2005 erlebt habe und die ich hier anschließend erzähle. Ich danke an dieser Stelle dem DaWanda Stammtisch Berlin, der mich dazu ermutigt hat, diese ihnen gestern vorgestellte Idee weiter zu verfolgen. Und auch für alle weiteren Tipps! ;-)))

 

Es macht großen Spaß, diese kleinen fröhlichen Geschöpfe zu filzen, fröhliche Filzgeschöpfe, die sich so gerne killern lassen – ej, daher kommt natürlich der Name! Die bringen doch niemand um!

 

Und natürlich muss die Killer-Ente

  • eine optimistische Grundausstrahlung haben oder
  • Sie sonst irgendwie zum Lachen bringen
  • und in jede Handtasche passen,
  • die Farben sind an sich egal,
  • aber quietsch-gelb kommt schon sehr optimistisch.

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Kleine Killer-Enten, Beispiele



Ich habe meine Killerente dabei!


Einmal stand ich bei großer winterlicher Kälte in einer Bäckerei. Während ich noch bestellte, kamen zwei junge Männer herein und rauchten provozierend über die Backwarentheke hinweg. Offensichtlich wollten sie sich nur aufwärmen in der warmen Backstube und dann auch noch ein wenig Ärger machen. Als die Bedienung sie freundlich und bestimmt ansprach und sie bat zu gehen, wurden die beiden frech, provozierten und weigerten sich. Ich überlegte nicht lange, meine alte Routine aus der Konflikt-Prävention kam durch und ich mischte mich solange ebenso freundlich und bestimmt ein, bis die jungen Männer schließlich den Laden wieder verließen.

 

Als ich einige Zeit später wieder in die Kälte trat, war mir etwas mulmig zumute. Diese Typen sahen schon so aus, als hätten sie zumindest Messer dabei gehabt. Und ich tadelte mich für mein Talent, gefährlich zu leben. Was ging mich diese Bäckerei an! Vorsichtig blickte ich mich um, aber die beiden waren nirgends zu sehen. Und dann hörte ich meine Ente Mogo neben mir aus der offenen Tasche sagen:

 

Du! Selbst wenn du denen noch mal begegnest, macht das doch nichts, du bist mit mir ganz sicher. Du sagst einfach zu ihnen, sie sollen ja vorsichtig sein, du hättest deine Killer-Ente dabei.“

 

Ich schielte auf den großen gelben Kopf, der lustig aus meiner Tasche ragte und mit dem dicken Schnabel schelmisch grinste, und ich musste lauthals lachen.  Und ich lachte und lachte und lachte noch bis ich zu Hause ankam.

 


Mogo,

 

das große Original, von dem die vorstehende Geschichte handelt,

 

(hier mit einem Latte Macciato bei einem Ausflug zum damals neuen Berliner Hauptbahnhof)

 

ist meine große Reise-Ente, mit der ich jahrelang durch Berlin gezogen bin, sie an ausgefallenen und normalen Plätzen fotografierte und diese Ausflüge danach auf unserem Blog der "Ente-on-Tour" beschrieb.

 

 

Es sollte ein Reiseführer werden. Mogo selbst nannte unser Projekt:

Berlin Tourist Guide for Ducks and other Folks

 


Mach' doch diese wunderbare Ente in klein!


So sagte man zu mir, wann immer ich die Geschichte von der Killer-Ente erzählte. So  wurde also auch die Idee der kleinen Killer-Enten am Berliner DaWanda-Stammtisch geboren, einer winzig-kleinen, süßen, gelben Ente für jede Handtasche. Als Handschmeichler, zum Spielen und natürlich zum Schutz. Die ganze Produktreihe heißt „Duck Protection“ und umfasst auch die etwas größeren bunten Grünschnabel-Enten. Die wollten sich ebenfalls für diesen löblichen Sicherheitseinsatz zur Verfügung stellen. Und der Prototyp dieses Vogels hat den Stammtisch überzeugt!

 

Nun wissen alle, dass ich einen Vogel hab'.

 

Wenn man den Vogel nämlich langsam aus der Tasche zieht (damit der andere erkennt, dass es keine Waffe ist), formschön in der Hand liegend wie der Griff eines Colts, und dann vorsichtig die Hand öffnet und dabei freundlich und ganz herzig sagt:

 

Achtung, sonst kannst du was erleben, ich habe meine Killer-Ente dabei!“

 

Dann wird das suspekte Gegenüber in der Schrecksekunde gar nicht erst merken, dass man gar keine Killer-Ente in der Hand hält sondern nur einen Grünschnabel! Er wirkt also genauso effektiv.

 

Das ist Ulk?

 

Nein, mir ist sehr ernst mit dieser Weiterentwicklung, der „Duck Protection“. Seit Jahren überlege ich schon daran, wie ich meine Erfahrungen in kreativer, friedlicher Konfliktlösung endlich auch mal umsetzen kann in Lichtfilz. Und ich bin wirklich stolz auf dieses Ergebnis. Deshalb hier noch eine kurze theoretische Untermauerung meiner Behauptung:

 

Aus der Konfliktforschung:

 Vor vielen Jahren, als ich mich mit Gewaltprävention zu beschäftigen begann, hatte ich von einem Kriminalhauptkommissar aus Berlin erfahren, dass Täter immer nach einem ganzen innerlichen Drehbuch mit sehr konkreten Einzelheiten über den Tathergang und die zu erwartende Reaktion des Opfers vorgehen und sich dann genau den Menschen aussuchen, der da hinein passt. Wenn ich also Angst habe und im Drehbuch des Täters steht: "Frau hat Angst vor mir" und ich gehe da zufällig vorbei, bekomme ich die Rolle - garantiert.

 

Dieser Kommissar hatte herausgefunden, dass, selbst wenn einem die Rolle schon zugeteilt wurde, man die Tat noch verhindern kann, einfach dadurch, dass man sich nicht an das Drehbuch hält! Und das bedeutet, dass man eben anders reagiert als vom Täter erwartet, zum Beispiel mit einer Überraschung, mit einer alternativen kreativen Reaktion.

 

Man spürt zum Beispiel ein Angstdrehbuch hinter sich laufen und widersteht dem Angebot, Angst zu haben (wenn einen die Angst beschleicht – das ist sozusagen schon das Rollenangebot vom anderen). Statt dem Impuls zu folgen, schneller zu gehen (der damit einher geht und auch schon vom Drehbuch vorgeschlagen wird), dreht man sich zum Beispiel um und bittet um Feuer. Der Täter wird erst einmal im Handlungsverlauf unterbrochen und muss im Idealfall sein ganzes Drehbuch wieder von vorne inszenieren.

 

Man wird zwar, wenn es gut geht, nie erfahren, ob es sich bei dem anderen wirklich um einen Täter handelte, aber man geht zumindest bewusst mit seiner Wahrnehmung um, fühlt sich unterwegs viel sicherer und ist zudem ein Stück weit innerlich gewachsen. Und für diesen Tag hat der andere dann vielleicht auch genug und geht nach Hause.

 

Der Polizist schätzte aus der Auswertung aller Delikte Berlins, dass auf diese Weise 95% der Täter unterbrochen werden können und die Tat nicht begehen, und bei 5% hat man eben Pech, da ist nichts zu machen.

......

 Wenn also die kleine Ente den potentiellen Täter zum Lachen bringt, ist das doch im wahrsten Sinn entwaffnend, oder?